Berlin, 11. Januar 2001
Kanzler Schröder vollzieht bioethischen Schwenk
Mit der Ernennung des Bioethikers Nida-Rümelin zum Kulturstaatsminister macht SPD-Kanzler Schröder erneut einen deutlichen Schritt in Richtung einer utilitaristischen Bioethik.
Nida-Rümelin hat ungefragt eine Lanze für das Klonen und anschließende Töten menschlicher Embryonen zur Stammzellgewinnung gebrochen. Er vertritt die Überzeugung, Menschenwürde komme nur solchen menschlichen Wesen zu, die "Selbstachtung" haben. Dies sei bei Embryonen nicht der Fall. Nida-Rümelin hält dies für "ein wichtiges ethisches Resultat". Gleichzeitig plädiert er für Rücksichtnahme auf "nichtmenschliche, empfindende Lebewesen".
Wer aber "Selbstachtung" zur notwendigen Voraussetzung von Menschenwürde erklärt, der grenzt auch Koma-Patienten, Menschen mit geistiger Behinderung und Neugeborene aus. Nida-Rümelin stellt sich mit seiner Pseudoethik - ob er will oder nicht - an die Seite des australischen Bioethikers Peter Singer und verläßt den Wertekonsens den Grundgesetzes. Könnte man einem anderen noch Naivität zugute halten, so muß man bei Nida-Rümelin davon ausgehen, daß er weiß, wovon er spricht, und seine Äußerungen auch so gemeint hat. Schließlich hatte er drei Jahre lang einen Lehrstuhl für Bioethik inne.
Erst kurz vor Weihnachten hatte Gerhard Schröder selbst in einem Zeitungs-Beitrag die Zulassung des therapeutischen Klonens in Aussicht gestellt. Deshalb muß es zwar alarmieren, aber nicht erstauen, daß er Nida-Rümelin ungehindert für die Unkultur der Vernutzung menschlicher Embryonen plädieren läßt. Nach der Demission von Gesundheitsministerin Fischer, die - bei aller berechtigten Kritik an ihrer Amtsführung - beim Embryonenschutz eine konsequente persönliche Haltung bewahrt hat, beschreitet Schröder mit der Berufung des Bioethikers Nida-Rümelin einen verhängnisvollen Weg
