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Berlin, 18. Mai 2001

Mutige Rede des Bundespräsidenten

Zur heutigen Berliner Rede des Bundespräsidenten erklärt der stellvertretende Vorsitzende der Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" Hubert Hüppe MdB (CDU):

Der Bundespräsident hat mit seiner notwendigen und weitsichtigen Rede das wohl bedeutsamste Wort in der bisherigen Debatte zur Biomedizin gesprochen.

Gerade jetzt, da der Druck auf Zulassung des Klonens und der Präimplantationsdiagnostik wächst, da die Deutsche Forschungsgemeinschaft den Zugriff auf menschliche Embryonen fordert und da unerhörte Heilungserwartungen geschürt werden, hat Johannes Rau eine große und mutige Rede gehalten, die alles andere als stromlinienförmig ist und die nicht überall wohlfeilen Beifall finden wird. Gerade deshalb gibt seine Rede Orientierung.

Der Bundespräsident hat die drängendsten Fragen der Bio- und Gentechnologie angesprochen, und er hat den Mut bewiesen, die Dinge auch beim Namen zu nennen: So spricht er im Zusammenhang mit Präimplantationsdiagnostik von biologischer Selektion.

Seine klare Absage an die Ökonomisierung des Menschen und sein ebenso klares Bekenntnis zu Menschenwürde und Lebensrecht von Anfang bis zum Ende sind eine Mahnung für alle, die meinen, man könnte den Schutz des menschlichen Lebens für andere hochrangige Ziele opfern.

Außerordentlich dankbar muß man dem Bundespräsidenten sein, weil er bekräftigt hat, daß im demokratischen Rechtsstaat die Politik - nicht aber die Wissenschaft, Kommission und Räte - zu entscheiden hat, was uns alle so elementar betrifft. Um über diese Rede hinwegzugehen, bedarf es ideologischer Scheuklappen.

Unser Staatsoberhaupt hat heute seine Rolle als Wächter der Verfassung in hervorragender Weise wahrgenommen. Johannes Rau hat unter Beweis gestellt, daß ein "Nationaler Ethikrat", wenn er Berechtigung hat, dann als Ethikrat beim Bundespräsidenten.

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