Berlin, 10. Dezember 2004
Kein Podium für den Tötungsphilosophen Peter Singer!
Anläßlich der heute beginnenden Heidelberger Tagung mit Peter Singer erklärt der Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Belange der Menschen mit Behinderungen und stellvertretende Vorsitzende der Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin", Hubert Hüppe:
Der Bioethiker Peter Singer befürwortet die Freigabe der Tötung von Säuglingen, insbesondere von behinderten Säuglingen, bis 28 Tage nach der Geburt. Dies hat er in einem SPIEGEL-Interview vor drei Jahren nochmals bekräftigt. Singer spricht behinderten Menschen, denen aus seiner Sicht "Selbstbewusstsein" fehlt, Lebensrecht und Menschenwürde ab. Im SPIEGEL-Interview beschränkte er seine Ablehnung der NS-Euthanasiverbrechen darauf, dass der Staat aus eugenisch-ökonomischer Motivation und nicht die Eltern über die Morde entschieden hätten, außerdem hätten manche der Mordopfer "durchaus Selbstbewusstsein" besessen.
Wer bestimmten Gruppen von Menschen die Menschenwürde und das Lebensrecht bestreitet, stellt sich außerhalb der demokratischen Kultur, die allen Menschen Meinungsfreiheit garantiert. Es kommt dabei nicht darauf an, ob jemand einer Gruppe von Menschen die Menschenwürde aufgrund ihrer Behinderung, ihres Geschlechts oder ihrer Rasse abspricht. Bei der Bewertung solcher Positionen kommt es auch nicht darauf an, ob er seine Thesen mit gedämpfter Stimme in einem Hörsaal oder grölend in einer Fußgängerzone vorträgt. Solchen Thesen darf kein Podium geboten werden.
Davon unberührt ist die Frage, ob man sich mit solchen Thesen auseinandersetzen muss. Dies ist in Deutschland nicht versäumt worden. Auch die Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" hat dies getan.
Das Heidelberger Deutsch-Amerikanische-Institut setzt sich aber nicht mit Singers Thesen auseinander, es bietet vielmehr Singer selbst ein Forum zum öffentlichen Auftritt.
Eine Gesellschaft, die eine Debatte über die Freigabe der Tötung eines Teils ihrer Mitglieder in deren Abwesenheit zulässt, hebelt ihr eigenes Fundament aus.
