Berlin, 21. Juni 2006
"diskurslernen: Streitfall Therapeutisches Klonen" wissenschaftlich unhaltbar
Schüler werden manipuliert
Anlässlich der öffentlichen Präsentation eines Projektes "diskurslernen: Streitfall Therapeutisches Klonen" am Mittwoch, 21. Juni 2006 in der Universität Bonn, erklärt der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe, in der 14. und der 15. Wahlperiode stv. Vorsitzender der Bioethik-Enquetekommissionen des Bundestages:
Das Projekt muss wegen seiner gravierend falschen Darstellung des wissenschaftlich Forschungsstandes zum Klonen überarbeitet werden, bevor es mit Schülerinnen und Schülern durchgeführt werden kann. Es ist unbegreiflich, dass dieses Projekt trotz seiner Mängel mit Steuergeldern des Forschungministeriums gefördert wird. Genauso unverständlich ist, dass es vom steuerfinanzierten Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften durchgeführt wird, dessen Direktor Ludger Honnefelder dem Vorstand des "Kompetenznetzwerks Stammzellforschung NRW" angehört.
So wird im "diskurslernen"-Material die Behauptung aufgestellt: "Zumindest im Tierversuch ist inzwischen der Nachweis erbracht, dass mittels des „Dolly-Verfahrens“ gewonnene Gewebeteile bei Transplantation auf den Spender des Zellkerns keine Abstoßungsreaktion auslösen."
Mein Büro hat seit 9. Juni die Projektleitung von "diskurslernen" in mehreren emails um Nennung wissenschaftlicher Publikationen gebeten, die diese merkwürdige Behauptung stützen. In einem Telefonat am 19. Juni blieb auch DRZE-Geschäftsführer Dr. Lanzerath diese Antwort schuldig und erbat sich eine Frist.
Einige Stunden darauf sandte Dr. Lanzerath eine email, in der er zwei Publikationen als Beleg anführt. Allerdings belegt die eine Studie Immunabstoßung beim "therapeutischen Klonen", die andere hat nichts mit "therapeutischem Klonen" zu tun.
Ich fordere "diskurslernen" daher jetzt öffentlich auf, einen Beleg für den behaupteten "Nachweis" im Tierversuch zu liefern, oder aber das Projekt wissenschaftlich korrekt zu überarbeiten.
Nach Auskunft von Experten ist die Aussage im "diskurslernen"-Materal wissenschaftlich falsch. Es gibt hingegen mehrere Veröffentlichungen, die zeigen, dass geklonte Embryonen, wenn sie von einer Leihmutter ausgetragen werden, nach Abtreibung oder Geburt des Klon-Säuglings Zellen liefern, die transplantiert werden können. Dies sind dann aber adulte Stammzellen und das Verfahren ist das sogenannte "reproduktive Klonen".
Dass keine Abstoßungsreaktion bei "therapeutischem Klonen" zu erwarten sein soll, ist sogar ein Lernziel des Projekts. Die bisher verwendeten Materialen des Projektes verschweigen auch, dass es keine einzige wissenschaftliche Publikation gibt, die exemplarischen den Nachweis im Tierversuch erbracht hätte, dass das sogenannte "therapeutische Klonen" funktioniert. Das sogenannte "therapeutische Klonen" ist eine reine Hypothese.
"diskurslernen: Streitfall Therapeutisches Klonen" stellt die naturwissenschaftliche Ausgangslage für die Schüler so falsch dar, dass diesen eine sinnvolle, auf Fakten gegründete Dikussion unmöglich ist. Auch der Name ist irreführend, da es keine "Therapie" durch Klonverfahren gibt, auch nicht im Tierversuch.
"Diskurslernen" manipuliert Schülerinnen und Schüler in Richtung eines Votums, das gegen die deutsche Rechtslage gerichtet ist.
Schon der Respekt vor den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern, die sich eine Woche engagiert mit dem Material auseinandersetzen sollen, verlangt, ihnen fachlich richtige und vollständige Informationen an die Hand zu geben.
Die Projektleitung von "diskurslernen" schuldet daher den drei Schülergruppen, die bisher teilgenommen haben, eine Richtigstellung und eine Entschuldigung.
Grundsätzlich ist es begrüßenswert, wenn Schülerinnen und Schüler sich mit aktuellen bioethischen Fragen systematisch auseinandersetzen. Deshalb halte ich den didaktischen Ansatz von "diskurslernen" für interessant und befürworte eine Neuauflage des Projekts - allerdings mit wissenschaftlich korrekten Informationsmaterialien für die Beteiligten. Dazu muss das Projekt unverzüglich unter Hinzuziehung wissenschaftlichen Sachverstandes überarbeitet werden.
Weil der zwischen mir bzw meinem Büro und der Projektleitung von "diskurslernen" per email geführte Diskurs einen aktuellen bioethischen Streitfall betrifft und weil sich das Projekt an die Öffentlichkeit richtet und aus öffentlichen Mitteln finanziert wird, habe ich unseren Diskurs auf meiner Homepage eingestellt:
