Berlin, 13. September 2007
Eizellspende für Klonexperimente gegen 2.190 € ist unethisch
Anlässlich der heutigen Erklärung des britischen "Medical Research Council", Kosten in Höhe von 1.500 Pfund (2.190 €) zu übernehmen, falls Frauen die Hälfte ihrer Eizellen für Klonexperimente spenden, erklärt Hubert Hüppe, MdB, Berichterstatter für Bioethik und Gentechnik der CDU/CSU-Arbeitsgruppe Gesundheit und in der 14. und 15. Wahlperiode stv. Vorsitzender der Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin":
In Großbritannien beschleunigt sich der Abbau ethischer Grenzen der Embryonenforschung und des Klonens: ab heute erhalten Frauen einen Zuschuss von umgerechnet 2.190 € für künstliche Befruchtung, wenn sie die Hälfte ihrer Eizellen für menschliche Klonexperimente spenden. Dies ist das gleiche Klonverfahren, mit dem der Koreaner Woo-suk Hwang Stammzellen aus geklonten menschlichen Embryonen gewinnen wollte.
Die Entscheidung des "Medical Research Council", der eine der Deutschen Forschungsgemeinschaft ähnliche Aufgabe der Finanzierung von Forschungsprojekten mit Steuergeldern hat, ist in mehrfacher Hinsicht unethisch und alarmierend.
Da der Erfolg der künstlichen Befruchtung von der Zahl der Eizellen abhängt, sinkt die Chance Eizellen spendender Frauen auf eine Schwangerschaft. Um dennoch genug Eizellen zu erhalten, werden den Frauen voraussichtlich höhere Medikamentendosen verabreicht, mit erhöhten Gesundheitsrisiken. Das Interesse des auf möglichst viele Eizellen spekulierenden Klonforschers steht in diametralem Gegensatz zum Interesse der Frau, so wenig Medikamente und so viele Eizellen wie möglich zu erhalten.
Die 2.190 € Zuschuss zur künstlichen Befruchtung stellen einen finanziellen Anreiz dar, der mit der EU-Geweberichtlinie unvereinbar ist. Aus guten Gründen, zum Schutz von Spendern wie Empfängern darf es nicht zur Kommerzialisierung menschlicher Zellen, Gewebe und Organe kommen.
Klonexperimente zur Stammzellgewinnung sind wissenschaftlich höchst fragwürdig, da das "therapeutische Klonen" nie im Tierexperiment funktioniert hat, vielmehr wurden die geklonten Zellen abgestoßen. Es ist unethisch, eine Methode im Menschenversuch anzuwenden, die nicht im Tierexperiment nachgewiesen ist.
Klonen menschlicher Embryonen ist mit der UN-Deklaration gegen das Klonen von Menschen, gegen die Großbritannien gestimmt hatte, unvereinbar.
Anlässlich des Besuches einer Delegation des Gesundheitsausschusse bei der zuständigen Londoner Behörde für Embryonenforschung, HFEA, im Juni habe ich ausdrücklich die Problematik der bezahlten Eizellspende hinterfragt. Die von der HFEA zugesagte schriftliche Antwort steht allerdings bis heute aus.
Die durch einen finanziellen Vorteil belohnte Eizellspende für Klonexperimente folgt nur eine Woche auf die Ankündigung der HFEA, geklonte Mensch-Tier-Misch-Embryonen zuzulassen.
Die Aufweichung ethischer Prinzipien am britischen Beispiel zeigt überdeutlich die schiefe Ebene, auf der es vorerst kein Halten mehr gibt. Das britische Beispiel kann kein Vorbild für Deutschland sein.
