Berlin, 11. Januar 2008
Stammzellen: Angeblicher "Durchbruch" eher ein Marketing-Gag zweier Firmen
Keinerlei therapeutische Relevanz
Zum angeblichen "Durchbruch" ethisch unbedenklicher Stammzellforschung der umstrittenen Firmen "ACT" und "StemLifeLine" erklärt der CDU-Bundestags-Abgeordnete und für Bioethik zuständige Berichterstatter der Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hubert Hüppe, MdB:
Die Methode wäre in Deutschland nicht zulässig, da es sich um ein Klonverfahren, sogenanntes "Embryosplitting", handelt: Die einem 8-Zell-Embryo entnommene Zelle ist wahrscheinlich totipotent, also selbst ein Embryo.
Die Methode hat keine therapeutischen Bedeutung. Keine Frau würde vor Beginn der Schwangerschaft der Entnahme einer Zelle ihres Embryos zustimmen, um für einen Patienten eine Stammzelllinie züchten zu lassen. Da diese Stammzellen genetisch mit dem Embryo übereinstimmen, nicht aber mit einem anderen Menschen, würde es Abstoßung geben. Ohnehin gibt es mit embryonalen Stammzellen weder eine Therapie noch eine einzige klinische Studie am Menschen.
Interessant ist aber die Kooperation der beiden Firmen "ACT" und der besonders umstrittenen "StemLifeLine" in der neuen Studie. "StemLifeLine" bietet Paaren an, gegen Bezahlung aus ihren Embryonen, die nach einer künstlichen Befruchtung übrig bleiben, angeblich "personalisierte" Stammzellen zu züchten und als "Lebensversicherung" für die Familie einzulagern. Wegen dieses unseriösen Geschäftsmodells ist "StemLifeLine" vor einem halben Jahr in heftige Kritik gekommen.
Pikanterweise geben nur zwei der Autoren ihre Verbindung zu "StemLifeLine" an. Doch sind drei weitere der zwölf Autoren bei "StemLifeLine" - die Vorstandsvorsitzende und zwei als Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats. Allerdings verschweigen sie dies.
Die Vermutung liegt nahe, dass der angebliche "Durchbruch" vielmehr ein neues Geschäftsmodell etablieren soll: "StemLifeLine" könnte Paaren anbieten, anläßlich einer künstlichen Befruchtung jeweils eine Zelle der Embryonen abzuspalten, um daraus individuelle Stammzellen des Kindes zu gewinnen. Dies könnte wieder als "Lebensversicherung" lukrativ vermarktet werden.
